Rückblick 2004
Dampfwalzen- und Nostalgie-Club der Ernst Frey AG
Ein kleines "Schmankerl" zur Einleitung
René Michel/Dieses Jahr stand ganz im Zeichen des Ausführens unserer alten Prunkstücke. Kein Reissen, kein Malen, kein Feilen, kein Fluchen und keine Bettflucht morgens um 5.30 Uhr. Nur ab und zu gab es kleinere Defekte, wie das Abreissen eines Schlackehahns am Konus. Dies ist meistens auf ein zu festes Anziehen des Reibers im Ventilsitz beim Aufheizen der Walze zurückzuführen. Dieser Fehler ist uns "Hilfsarbeitern" schon drei Mal passiert und brachte uns garantiert die gestrengen Blicke unseres Meisters und Gebieters Dani ein, dem feinfühligsten aus der Gilde der Baumaschinenmechaniker im Unternehmen Ernst Frey AG.
Wach auf Baby! Wir gehen auf die Walz!
Im Frühjahr, bei Regenwetter, weckten wir "Flora" und "Vroni" aus dem Winterschlaf. Zuerst "begossen" wir die beiden Prunkstücke mit Wasser bis sie "voll" waren, dann wurde kräftig mit Holz und Kohle eingefeuert. Mit viel Geduld und gutem Zureden brachten wir die beiden dazu, ihre Augen zu öffnen, zu schnauben und zu ächzen. Immer mehr entwickelte sich das Ächzen zu unserem geliebten Dampfen und Zischen. Bei 5 bar Druck begannen die Zahnräder, Achsen, Schieber und Ventile ihren Dienst leicht ratternd, aber zuverlässig aufzunehmen. Die beiden Damen wurden auf Hochglanz poliert und zum ersten Mal im Jahr ins beste Licht gerückt.
Wach und unter Druck am ersten Tag nach dem Winterschlaf
Mutig, wie unser Dani ist, hat er vorab dem Inspektor angedroht, dass er, wenn alles gut gehe, unsere beiden Babys auf Herz und Nieren prüfen müsse. Bei 10 bar Druck mussten sie gleich beim ersten Frühlingserwachen dem kritischen Blick und dem Druckmesser von Peter, unserem Inspektor, standhalten. Es hiess heizen, was das Zeug hält, und hoffen, dass die alten, vollmechanischen Sicherheitsventile im Winter nicht ihre Federspannung verloren hatten. Aber siehe da, das alte, währschafte "Federspiel" funktionierte wieder hervorragend, und bei 10,4 bar öffneten sie sich, um dem überschüssigen Dampf den Weg ins Freie zu schenken. Danis Augen glänzten und der altehrwürdige Spruch eines Urnos- talgikers kam über seine lächelnden Lippen: "Das ist noch Handwerk, welches Jahrzehnte funktioniert, und nicht dieser elektronische Krimskrams von heute!" Die beiden Walzen wurden plombiert (gäll Dani: "Das ist wie der Gewinn einer Goldmedaille beim Sport!") und somit fürs Walzen und Dampfen im Jahr 2004 freigegeben, weil auch alles andere, vom Dampfkessel bis zu den Ventilen, dichtgehalten hat - man höre und staune: Obwohl unsere Walzen zwei Frauen sind!

Autor René Michel (links) und Dani Lützelschwab. (Foto: Urs Gysin)
Wie "Flora" Millionärin wurde
Ich wiederhole mich im Sinne des Berichtes 2003. Wie wird Nostalgie im Duden umschrieben? Mit "sehnsüchtig in die Vergangenheit schauen"! Dieses Jahr überwog nicht die Sehnsucht nach der Vergangenheit, sondern die Sehnsucht nach neugierigen Blicken der Bewunderer unserer beiden Prunkstücke und der Gerätschaften an Festen und Anlässen. Wir reisten mit den alten Damen im ganzen Land herum, von Bretzwil über Arisdorf bis ins schaffhausische Guntmadingen, zu Anlässen wie Traktor-Pullings oder Oldtimertreffen. In Bretzwil wurde unsere Flora zum Star des Rahmenprogramms erkoren. Wir wussten schon immer, dass Stars ihre Starallüren haben. Bei einer Dampfwalze ist dies die Wahl der Kohlenqualität. Hier wurde nun unserer Flora eine Million Gramm bester und teuerster deutscher Ruhrkohle geschenkt, die wir uns selber niemals leisten könnten. Unsere Millionärin geniesst jede volle Schaufel dieser Kohle mit einem genüsslichen Rauchringlein aus dem Kamin.
Bräutigam René (Michi) steuert mit Braut Brigitte auf dem "grünen" Wagen . . .
Die Hoch-Zeit kam im Herbst!
Nostalgisch ist es wahrscheinlich, wenn zwei Menschen nach 25 Jahren Konkubinat im "hohen Alter" meinen, sie müssten nun Nägel mit Köpfen machen und heiraten. Die Nostalgiker Chrigel, Fänky, Nöisi und Ueli nahmen ein solches Ereignis zum Anlass, beide Walzen in ein festliches Blumenkleid zu schmücken. "Flora" hängten sie den alten, mit Sonnenblumen dekorierten Fourgon an und dampften bei sonnigstem Prachtswetter zum Restaurant Sonne mitten im wunderschönen Kaiseraugst. Die beiden Damen glänzten, funkelten und schnaubten, als wollten sie dem Hochzeitspaar den Rang ablaufen. René, der Bräutigam und Bürogummi im Team, nahm das Steuer der Flora in die Hand. Brigitte sass strahlend und glücklich "hoch auf dem grünen Wagen". So keuchten und pfiffen sie an den staunenden Hochzeitsgästen und den vielen Zaungästen vorbei durchs Dorf. Liebe "Nostis", an dieser Stelle ein Wort an euch vom Bräutigam: Es war genial, besten Dank! Die Symbolik für die Ehe ist nahe liegend, denn auch sie ist wohl ein dampfendes und schnaubendes Glück, das lange hält und im Alter in nostalgischen Minuten enden wird.
. . . zielgenau in den Hafen der Ehe. (Fotos: Archiv René Michel)
Im Wechselbad der Gefühle
Ein unvergesslicher Anlass war das Nostalgietreffen in Guntmadingen. Die Lanz- Bulldogs, eine Dampfeisenbahn für die Zuschauer, Traktoren mit Holzvergaser, eine dampfbetriebene mechanische Apfelschälmaschine, ein dampfbetriebenes Sägewerk, alles war da.
Wissen Sie was pures schweizerisch-deutsches Nostalgie-Feeling ist? Wenn:
- ein Wettheizen stattfindet zwischen sechs Lanz-Bulldogs im Festzelt vor 2500 Zuschauern! Sie sind danach garantiert schwerhörig, aber beeindruckt wie noch nie in ihrem Leben.
- ein 10-Liter(!)-Einzylinder-Bulldog angeworfen wird und der schwarze Rauch, gepaart mit Funken, durch den Auspuff in den Himmel gespien wird.
- ein Wettpulling mit 15 Meter langen Baumstämmen zwischen vier über 50-jährigen Bulldogs im Dunkeln der Nacht durchgeführt wird und der verbrannte Diesel im Nachthimmel wie Sterne nachglüht.
Es war wohl das einzige Mal, wo wir offen und ehrlich zugeben mussten, dass "Flora" und "Vroni" nicht die Stars in der Manege waren. Diese Erlebnisse waren sensationell, und unsere nostalgischen Herzen machten Luftsprünge. Schanggi, danke für die Bewilligung! Leider hatte Dani in der Festeuphorie die Idee, dass der Mast unseres Bitumenwagens der geeignete Ort für einen Bungee-Jump ohne Seil sein könnte. Dieser Irrtum war fatal und riss uns in ein tiefes Loch. Dani ist wieder wohlauf und arbeitet hart auf sein Ziel hin, einen Marathon zu laufen. Wie vieles in seinem Leben, ist auch sein Hobby eines für leicht Verrückte und Angefressene. Aber alle, die ihn beim Unfall am Boden liegen sahen, gönnen ihm diese Verrücktheit und sind froh, dass er wieder so fit und gut aussehend durch die Wälder rennt. Die Unfallursache wurde behoben. Wir wünschen uns allen, dass wir unser Hobby in Zukunft unfallfrei ausüben können und dass vor allem der Spassfaktor im Vordergrund steht.
Zuerst der Krampf, dann ein Fest: "Steam for fun"
Dieser Unfall unseres wichtigsten "Reissers" im Verein führte dazu, dass das Dampfwalzenfest abgesagt werden musste. Es sollte ein Highlight für die Firma Ernst Frey AG im Sinne des gemütlichen Zusammenseins sein: "Steam for fun" (Dampf, um Spass zu haben)! Gerade dieses gemeinsame Spasshaben ist für uns alle wichtig. Wir werden dieses Fest deshalb 2005 nachholen und euch rechtzeitig darüber informieren. "Steam for fun" dient jedoch auch unserem Verein, um die leeren Vereinskasse zu füllen, damit wir unsere bescheidenen Träume wie Petroleumlampen für Flora erfüllen und dem Inspektor auch in Zukunft sein Gehalt bezahlen können. Der Slogan "Steam for fun" ist englisch und drückt die Sehnsucht aus, einmal ins Mutterland aller Dampf-Nostalgiker zu reisen. Wer weiss, wenn Nöisi uns sein Flugzeug leiht und Dani gerade nicht herumrennt, gönnen wir uns einen Ausflug ins gelobte Land des "Steams" und der "Machines", als Belohnung für das Leiden und Krampfen in unserer Dampfwalzenwerkstatt.
Stille Nacht . . .
Während der Schreiber in weihnächtlicher Stimmung über diesen Zeilen brütet, halten "Flora" und "Vroni" wieder ihren wohl verdienten Winterschlaf im Schuppen "hinter den sieben Baggern" und der auf die Renovation wartende Makadam- Anlage. Kein Wasser im Bauch, keine Kohle im A . . ., kein Manometer am Kopf und die Ventile offen zum geruhsamen Schnarchen. Zeit zum besinnlichen Nachdenken, was im Jahr 2005 erneuert werden könnte. Die Ideen sind da, aber unser "Presi" rennt und rennt und hat keine Zeit für Nostalgie, es sei denn, Flora stelle sich ihm in den Weg und drohe ihm: "Dani, du solltest auch mir etwas Dampf gönnen!" Chrigel und Noisi gehen derweil an den Motor und das Getriebe des alten Berna-Lastwagens, Jahrgang 1955. So wird sichergestellt, dass unsere beiden alten Damen in Zukunft auf ihren Reisen durch die Schweiz einen nostalgischen Lastwagen vorgespannt bekommen. Die Firma Ernst Frey AG wird somit in aller Munde sein als traditionsreiches Unternehmen, das für dauerhafte Qualität steht, wie dies in den Leitsätzen der Firma festgehalten ist.
Drei Wünsche
"Flora" und "Vroni" haben noch drei Wünsche: Sie möchten im nächsten Jahr ein wenig verschönert werden, mit Petroleumlampen, frischer Schriftfarbe und einem besser klingenden Horn für "Flora". Schlagt also kräftig zu an unserem Fest "Steam for fun", die beiden Damen werden sich dann mit einer Vorbeifahrt herzlich bedanken. Und noch eine Bitte: Engagiert uns für Anlässe wie Eröffnungen, Dorffeste und nostalgische Zusammenkünfte. Arbeiten ist schön, faul herumstehen und nicht gebraucht werden macht uns alt und traurig.