Amerikanische Walzen
The American Way of Rolling
Michael Gündling / Wie in vielen europäischen Ländern, kamen auch die ersten Dampfwalzen Amerikas von Aveling & Porter aus England. Die beiden ersten gingen 1868 an die Verwaltung des Central Parks in New York und 1869 an den Prospect Park in Brooklyn. Die Walzen bewährten sich hervorragend und die Parkverwaltung war sehr zufrieden mit ihren Leistungen. Sie zeigten beste Ergebnisse beim Walzen der Macadambeläge und bestachen durch ihre niedrigen Betriebskosten, in dem sie an einem Tag zu Kosten von $ 10 die gleiche Fläche walzten wie eine von acht Pferden gezogene 7-Tonnen Walze an zwei Tagen zu $ 20 pro Tag. Bis 1871 hatte Aveling & Porter bereits sieben Dampfwalzen nach Amerika geliefert, sämtliche waren Maschinen der Bauart Batho. In ihrem Katalog von 1874, also nur drei Jahre später, warben Aveling & Porter sogar mit 14 amerikanischen Städten in denen Dampfwalzen ihres Fabrikats zum Einsatz kamen. Im einzelnen waren es New York, Philadelphia, Chicago, Washington, Newhaven, Auburn, Hartford, Newark, Richmond, Bridgeport, St. Louis, Pittsburg, Wilmington und Rochester. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings neben Dampfwalzen der Bauart Batho auch schon solche mit konischen Vorderwalzen im Einsatz. Später übernahm William C. Oastler die Generalvertretung von Aveling & Porter in den Vereinigten Staaten. Doch trotz einiger Verkaufserfolge wurden die aus England importierten Dampfwalzen in den USA bald durch Produkte einheimischer Hersteller verdrängt.
Die erste in Amerika erbaute Dampfwalze geht auf ein am 22. August 1871 an Captain Abbott Q. Ross aus Cincinnati erteiltes Patent zurück. Bei seiner Erfindung handelte es sich um eine kombinierte Dampfwalze und Stampfmaschine. Hinter dem stehenden Kessel befanden sich die angetriebenen Walzen und dahinter, über die gesamte Breite der Maschine verteilt, eine Batterie von fünf dampfbetriebenen Rammen, mit denen der Strassenuntergrund festgestampft werden konnte. Das System bewährte sich nicht, obwohl Ross 1873 eigens zur Vermarktung seiner Erfindung in Cincinnati / Ohio die “The Ross Road Machine Company“ gegründet hatte, wurden seine Dampfwalzen kein kommerzieller Erfolg. Es blieb bei nur wenigen erbauten Exemplaren.
Der aus Schweden stammende Ingenieur Anders Lindelof (* 1837, † 1915) war da erheblich erfolgreicher. Anders Lindelof war 1865 nach Amerika ausgewandert und hatte sich in Brooklyn niedergelassen. Am 11. Februar 1873 wurde ihm ein Patent auf eine von ihm entwickelte Dampfwalze erteilt, die sich grundlegend von der englischen wie auch der französischen Bauart unterschied und in Europa später allgemein als 'amerikanische Bauart' bezeichnet wurde. Die nach seinen Vorstellungen konstruierte Walze führte er 1876 auf der Weltausstellung (die Ausstellung wurde aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Vereinigten Staaten offiziell Centennial Exhibition genannt) in Philadelphia erstmals einem breiten Publikum vor. Als charakteristische Merkmale sind die Tandemanordnung der Walzen, der stehende Kessel und die seitlich neben dem Kessel stehende Zwillingsmaschine zu nennen. Im Gegensatz zu den Tandemwalzen der französischen Bauart wurde aber nur die hintere Walze angetrieben. Der Antrieb erfolgte über eine Welle und ein Kegelrad auf einen grossen seitlich auf der Antriebswalze angebrachten Zahnkranz. Mit den Pioneer Ironworks in Brooklyn hatte Anders Lindelof eine Maschinenfabrik gefunden, in der er seine Konstruktion verwirklichen konnte und die den Bau von Dampfwalzen nach seinen Ideen aufnahm. Etwa zur gleichen Zeit, als Lindelof seine neue Bauart propagierte, fand ein neuer Werkstoff Eingang in den Strassenbau, der Asphalt. Im Jahr 1876 war die Pennsylvania Avenue in Washington D.C. als eine der ersten Strassen der Welt mit einem Asphaltbelag versehen worden. Asphalt wurde damit zum ersten mal in grösserem Stil im Strassenbau angewandt. In Amerika fand die neue Methode rasch Anklang. Der elastische Belag war weitaus robuster als gewöhnliche Macadam-Beläge und die weitgehende Staubfreiheit überzeugte ebenso wie die im Gegensatz zur herkömmlichen Pflasterung vergleichsweise kostengünstige Erstellung. Mit dem Aufkommen der Asphaltstrassen zeigte sich bald die besondere Eignung der Bauart Lindelof für diese Beläge. Die schwungradlose Zwillingsmaschine liess sich rasch umsteuern, was beim Walzen von Asphaltbelägen nützlich war, da bereits der kurze Stillstand beim Umsteuern der Fahrtrichtung Wellen im noch frischen Belag verursachen konnte.
Die besondere Eignung von Lindelof's Dampfwalzen für den Asphaltstrassenbau erkannte auch ein Mann, der damals das Asphaltgeschäft in Amerika weitgehend beherrschte, Amzi Lorenzo Barber (* 1843, † 1909), der Inhaber der "Barber Asphalt Paving Company". Barber hatte in Washington die Versuche auf der Pennsylvania Avenue von 1876 miterlebt und war davon stark beeindruckt.
Er erkannte richtig, dass im Asphaltbelag die Zukunft des Strassenbaus lag. Barber, durch Grundstücksgeschäfte vermögend geworden, wurde zunächst Teilhaber der von William Woods Averell gegründeten "American Asphalt Paving Company". Averall hatte spezielle Verfahren zum Bau von Asphaltstrassen entwickelt und war zu dieser Zeit mit Eifer dabei, die Verwendung von Asphalt im Strassenbau zu propagieren, auch die Versuche auf der Pennsylvania Avenue waren von ihm initiiert. Doch schon bald gab es Streit zwischen Barber und Averell, worauf Barber 1883 in Washington die "Barber Asphalt Paving Company" gründete. Im Jahr 1888 erwarb er die Abbaurechte für die einzigen damals bekannten natürlichen Asphaltvorkommen der Welt auf Trinidad. Durch dieses Monopol als Asphaltlieferant, das er geschickt verteidigte, erlangte er enormen Reichtum. Als "Asphaltkönig von Amerika" wurde er zu einem schillernden Mitglied der High Society, das wegen seines geschäftlichen Erfolgs mindestens genauso bekannt war, wie wegen seines zur Schau gestellten Reichtums.

10 Tonnen Dampfwalze von A.D. Baker Co.
(Fotos: siehe Ende Artikel)
Die "Barber Asphalt Paving Company" war zur beherrschenden Grösse des amerikanischen Asphaltstrassenbaus geworden. Da Barber bestrebt war, auch die zum Bau von Asphaltstrassen nötigen Maschinen und Geräte in seiner Firmengruppe selbst herzustellen, erwarb er um 1890 die Pioneer Iron Works in Brooklyn. Einige Jahre später erfolgte 1894 die Verlagerung der Werksanlagen nach Buffalo / N.Y. und damit verbunden die Umfirmierung in Iroquois Iron Works. Um die Jahrhundertwende wurde auch der Bau von Dreiraddampfwalzen aufgenommen. Daneben gehörten auch fahrbare Asphaltmischanlagen und dampfbetriebene Zementmischer zum Produktionsprogramm.

10 Tonnen Dampfwalze von A.D. Baker Co. mit Hochdruckkessel.
In Amerika fand die Bauart Lindelof relativ schnell weitere Verbreitung, neben den Pioneer Ironworks übernahmen mehrere andere Maschinenfabriken die Konstruktion, manche in etwas abgeänderter Form. Die bei weitem erfolgreichsten waren die Buffallo Steam Roller Company und die Kelly-Springfield Road Roller Company. Beides waren Tochterfirmen von bedeutenden landwirtschaftlichen Maschinenfabriken. Die Buffallo Steam Roller Company war um 1890 aus dem Dampfwalzenbau der Buffallo-Pitts Company in Buffallo / N.Y., der ältesten Dreschmaschinenfabrik Amerikas, hervorgegangen. Oliver Smith Kelly hatte 1882 sein Unternehmen als O.S. Kelly Company, Springfield / Ohio gegründet.

8 Tonnen Tandem-Dampfwalze von Buffalo-Springfield Roller Co.
Neben Dreschmaschinen, Lokomobilen und Dampftraktoren nahm er 1891 auch den Bau von Dampfwalzen auf, deren Bau er 1902 in das Tochterunternehmen Kelly-Springfield Road Roller Company einbrachte. Die Gründe, den Dampfwalzenbau eigenständigen Tochterfirmen zu übertragen, waren in beiden Fällen gleich. Die Muttergesellschaften waren auf den Bau landwirtschaftlicher Maschinen ausgerichtet, das galt sowohl für den technischen Bereich als auch den Vertrieb. Um erfolgreich den Bau von Dampfwalzen zu betreiben, war es jedoch erforderlich, die Konstruktionen konsequent auf die Erfordernisse des Strassenbaus auszulegen und der Vertrieb musste auf die Bedürfnisse und Eigenheiten des Baugewerbes zugeschnitten sein.
Beide Firmen boten von Anfang an sowohl Dreirad- als auch Tandemwalzen der Bauart Lindelof an. Eine Spezialität der Buffallo-Steam Roller Company waren Dreiradwalzen, bei denen man ein mittleres Segment der Vorderwalze herausnehmen konnte und so die Dampfwalze als Strassenlokomotive zu verwenden war. Ein Meilenstein des amerikanischen Strassenwalzenbaus war 1907 / 08 der Bau der ersten Motorwalze in Amerika durch die Kelly-Springfield Road Roller Company. Das Baugewerbe war jedoch sehr zurückhaltend gegenüber der neuen Technik und die Walze fand zunächst keinen Abnehmer, erst 1910 konnte siean die City of Minnesota verkauft werden. Der Siegeszug der Motorwalze setzte erst viel später nach dem Ersten Weltkrieg ein. Nachdem sie zuvor bereits mehrere Jahre kooperiert hatten, fusionierten beide Firmen 1916 zur Buffallo- Springfield Roller Company, welche den amerikanischen Markt für Dampfwalzen bis zum Schluss beherrschte. Im Februar 1935 lieferte sie unter der Fabriknummer 17490 die letzte in Amerika erbaute Dampfwalze aus, es war zugleich die letzte Dampfwalze der Bauart Lindelof.

10 Tonnen Dampfwalze mit 40 PS von J.I. Case Co.
(Fotos: siehe Ende Artikel)
Eine nachteilige Eigenschaft der Bauart Lindelof war ihr unruhiger und ruckartiger Gang, hervorgerufen durch die am äusseren Rand der Walze, weit ausserhalb des Schwerpunkts, stehende Dampfmaschine, deren Bewegungskräfte zudem senkrecht zur Fahrtrichtung wirkten. Um diesen Nachteil abzumildern änderte Kelly bereits 1893, also nur kurze Zeit nachdem er den Bau von Dampfwalzen der Bauart Lindelof aufgenommen hatte, die Konstruktion ab und neigte die Dampfmaschine leicht in Richtung des Schwerpunkts. Dies verbesserte zwar den Gang, entsprach aber immer noch nicht völlig den Erwartungen. Erst als Kelly ab 1904 liegende Dampfmaschinen einführte, war das Problem zufriedenstellend gelöst. Die Buffallo-Steam Roller Company versuchte das gleiche Problem zu lösen, indem sie die stehende Dampfmaschine ab 1906 quer zur Fahrtrichtung zwischen Kessel und Hinterwalze platzierte und so der Schwerpunktlage viel näher kam. Aber auch hier waren die Ergebnisse nur zum Teil befriedigend, so dass man 1910 ebenfalls zu liegenden Dampfmaschinen überging. Kelly-Springfield bot Dampfwalzen der Bauart Lindelof in vier Typen von 10 t, 7 ½ t, 5 t und 2 ½ t an, die Buffallo-Steam Roller Company hatte ein ähnliches Lieferprogramm, welches auch nach der Fusion zur Buffallo-Springfield Roller Company beibehalten wurde.

10 Tonnen Dampfwalze von J.I. Case Co. mit extrem kurzem Radstand.
Weitere Firmen, welche Dampfwalzen der Bauart Lindelof anboten, waren die aus der Groton Manufacturing Company in Groton / N.Y. hervorgegangene Monarch Road Roller Company, die Galion Iron Works aus Galion / Ohio, die Firma Erie Machine Shop, Erie / Pennsylvania und die Atlas Iron Works, San Francisco / California. Die meisten davon hatten zusätzlich Dreiradwalzen im Lieferprogramm. Ausschliesslich Dreiradwalzen bauten die ACME Road Machinery Company, Frankfort / N.Y., die F.C. Austin Manufacturing Company, Harvey / Illinois und die Bucyrus Road Machinery Company, Bucyrus / Ohio. Die Dreiraddampfwalzen entsprachen fast immer mehr oder weniger der englischen Bauart, wobei allerdings in Amerika die Lagerung der Maschine in so genannten Hornplatten wenig gebräuchlich war. Fast alle der oben erwähnten Firmen stellten um 1930 ihre Produktion auf Motorwalzen um, einige boten noch andere Baumaschinen, wie Steinbrecher, Grader oder Asphaltmischanlagen an.

Gefederte 10 Tonnen Dampfwalze von J.I. Case Co.
(Fotos: siehe Ende Artikel)
Zu diesen, auf die Produktion von Strassenwalzen und Baumaschinen spezialisierten, Maschinenfabriken kamen noch etliche Hersteller landwirtschaftlicher Strassenlokomotiven, welche ebenfalls den Bau von Dampfwalzen betrieben. Die wichtigsten hierunter waren Avery, J.I. Case, Geiser, Heilman, Huber, Port Huron und Waterous in Kanada. Obwohl zum Teil beachtliche Stückzahlen ausgeliefert wurden, blieb der Bau von Dampfwalzen bei diesen, auf den Bau landwirtschaftlicher Maschinen orientierten, Unternehmen stets von untergeordneter Bedeutung. Die Konstruktionen basierten fast immer auf den von diesen Firmen34 April 2006 DWCS-Info in grosser Stückzahl produzierten Dampftraktoren, bei denen lediglich die Räder durch Walzen ersetzt waren. In Europa wurde die amerikanische Bauart zunächst nur vereinzelt ausgeführt. Erst mit dem Aufkommen der Asphaltbeläge in den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stieg auch auf dem Alten Kontinent das Interesse an der Bauart. Wie bereits dargestellt, liessen sich die Maschinen durch ihr Zwillingstriebwerk rasch umsteuern und wiesen zudem durch den stehenden Kessel ein geringeres Gewicht und einen tieferen Schwerpunkt als vergleichbare Dreiradwalzen auf, beides ideale Bedingungen für den Asphaltstrassenbau. Mehrere Hersteller nahmen daher solche Walzen in ihr Fertigungsprogramm. In England waren dies vor allem Aveling & Porter in Rochester und William Marshall Sons & Co. in Gainsborough.
Nachdem Aveling & Porter bereits seit Jahren Tandemwalzen mit liegenden Kesseln erbaut hatten, nahmen sie 1912 auch die Produktion von Tandemwalzen der amerikanischer Bauart auf. Sie basierten konstruktiv auf den Walzen der Firma Buffalo-Pitts, und hatten wie diese stehende Kessel und stehende Zwillingsmaschinen. Die von Aveling & Porter als Typ MLD bezeichneten Walzen fanden nur wenig Anklang und es konnten bis 1921 lediglich sechs Stück abgesetzt werden. Erst als man in Rochester 1921 die Bauart durch eine neue Typenreihe ablöste, war man erfolgreicher. In ihrer Grundkonzeption entsprachen die Walzen der neuen Typen N, O und P weitgehend den Maschinen der inzwischen fusionierten Buffalo Springfield Roller Company, es waren aber dennoch eigenständige Konstruktionen. Wie ihre amerikanischen Vorbilder und abweichend von der ursprünglichen Bauart Lindelof hatten sie liegende Zwillingsmaschinen mit einer Umsteuerung der Bauart Klug. Die Lenkung erfolgte über eine kleine Dampfsteuermaschine mit automatischer Endabschaltung, die ein Übersteuern verhinderte. Die ersten Maschinen hatten noch zylindrische Kessel, spätere Versionen erhielten zur besseren Wasserzirkulation oben konisch erweiterte Kessel. Von dem Typ N wurden bis 1927 nur 14 Stück und von den erfolgreicheren Typen O und OA bis 1931 insgesamt 181 Stück erbaut, hinzu kamen von 1926 bis 1930 noch 21 Einheiten des etwas schwereren Typs P.
Auch auf dem europäischen Festland kamen einige dieser Walzen von Aveling & Porter zum Einsatz, eine davon war in Spanien noch nach 1960 in Betrieb. Besonders zu erwähnen sind 15 nach Holland gelieferte Einheiten der Typen O und OA, denn sie dienten mit hoher Wahrscheinlichkeit der Firma B. Ruthemeyer in Soest als Vorbild für einen nicht lizenzierten Nachbau. Diese Annahme wird auch durch die Tatsache gestützt, dass Ruthemeyer seine Nachbauten zum grossen Teil nach Holland exportierte. Nach Deutschland direkt sind von Aveling & Porter keine Lieferungen von Walzen der amerikanischen Bauart bekannt.

10 Tonnen Dampfwalze von Galion Iron Works Co.
(Foto: siehe Ende Artikel)
Der zweite englische Dampfwalzenhersteller, der Walzen der amerikanischen Bauart anbot, war William Marshall Sons & Co. aus Gainsborough. Zu diesem Zweck war Marshall eine Kooperation mit der Millars Timber & Trading Company, Battersea / London eingegangen. Die Firma Millars war damals Importeur der Buffalo-Springfield Roller Company und besass auch die Ausführungsrechte für deren Walzen. Sie war zudem Importeur der amerikanischen Cummer Asphaltmischanlagen und von daher bestrebt auch die dazu passenden, für den Asphaltstrassenbau besonders geeigneten, Tandemwalzen der amerikanischen Bauart anzubieten. Nachdem Millars zunächst einige original Buffalo-Springfield Walzen absetzen konnte, wurde schon bald der durch Zoll und Transportkosten belastete Import der amerikanischen Walzen durch die Lizenzvergabe an Marshall abgelöst. Die im Rahmen des Lizenzabkommens gebauten Walzen wurdenunter der Marke Millars-Marshall vertrieben, die erste konnte im September 1923 (Fabriknummer 76945) abgeliefert werden. Es wurden fünf Typen von 6 bis 10 Tonnen Leergewicht angeboten. Ihrem Vorbild entsprechend verfügten die Millars- Marshall Walzen über eine liegende Zwillingsmaschine mit einer Umsteuerung der Bauart Klug. Eine kleine Drillingsdampfmaschine diente der Lenkung. Auf Kundenwunsch waren die Maschinen mit Walzen lieferbar, die zur Erhöhung des Gewichts mit Wasser gefüllt werden konnten.
Auch die Walzen der Bauart Millars-Marshall dienten einem deutschen Hersteller als Vorbild für die eigene Produktion. Die heute noch existierende Baufirma Leonhard Moll aus München, die normalerweise ihre Dampfwalzen von der ortsansässigen Lokomotivfabrik J.A. Maffei bezog, beschaffte 1926/27 zwei Walzen der Bauart Millars-Marshall. Vermutlich dienten diese der zweiten Münchner Lokomotivfabrik Krauss & Cie. als Muster für eine Serie von fünf solcher Walzen. Zwei davon gingen wiederum an die Baufirma Leonhard Moll. Obwohl sich Vorbild und Kopie äusserlich bis ins Detail glichen, unterschieden sie sich doch in den einzelnen Abmessungen. Glücklicherweise blieben die originalen Kesselbücher, sowohl der beiden englischen Walzen als auch der deutschen Kopien, bis heute erhalten und lassen neben den Gemeinsamkeiten auch die Unterschiede erkennen.
In Deutschland hatten daneben noch Schwartzkopff und Henschel Tandemwalzen amerikanischer Bauart im Produktionsprogramm. Beide Konstruktionen hatten ebenfalls liegende Zwillingsmaschinen. Die Walzen von Schwartzkopff waren sogar mit Überhitzer ausgerüstet. Eine Dampfwalze der original Bauart Lindelof mit stehender Maschine führte 1925 versuchsweise die Maschinenbau- Gesellschaft Heilbronn aus. Als Vorbild diente ihr hierbei eine Walze der Pioneer Iron Works, die bei der Baufirma J.A. Braun in Stuttgart im Einsatz war. Obwohl man die Bauart als Type AW, für Asphaltwalze, ins Typenprogramm aufnahm und auch bewarb, blieb es bei dem einen Einzelstück. Die Lokomotivfabrik J.A. Maffei bot eine von der amerikanischen Bauart abgeleitete Tandemwalze mit quer liegendem Kessel an. Trotz des Engagements dieser namhaften Dampfwalzenhersteller fand die amerikanische Bauart sowohl in Deutschland als auch im übrigen Europa nur eine geringe Verbreitung. Durch das im Vergleich zu Amerika recht späte Aufkommen der Asphaltbeläge wurde die Bauart relativ schnell von den inzwischen aufgekommenen Motorwalzen verdrängt. Diese waren für die Bedingungen des Asphaltstrassenbaus in noch erheblich grösserem Masse geeignet, als die Tandemdampfwalzen. Von den in Europa erbauten Dampfwalzen amerikanischer Bauart blieben nur einzelne Exemplare der beiden englischen Hersteller erhalten, aus deutscher Produktion überdauerte keine.
Alle Fotos aus "Encyclopedia of American Steam Traction Engines"
Quellen: · Raymond L. Drake, Dr. Robert R. Rhode: Classic American Steamrollers, Iconografix, Hudson / Wisconsin (USA) 2001; -· Jack Norbeck: Encyclopedia of American Steam Traction Engines, Crestline Publishing Inc, Glen Ellyn / Illinois (USA), ohne Jahr; - Biographie von William Woods Averell, Internet 2003 (genauer Pfad unbekannt); - R.A. Whitehead: A Century of Steam-Rolling, Ian Allen Ltd., London 1975; - Aveling-Barford Ltd.: A Hundred Years of Road Rollers, England 1965; - J.M. Preston: Aveling & Porter Ltd., Rochester 1987; - Michael R. Lane: The Story of the Britannia Iron Works - William Marshall Sons & Co. Gainsborough, London 1993; - Kesselbücher der Dampfwalzen: Krauss 8405 und 8406, sowie Marshall 79638 und 82038; - Dietmar M. Carsten: Deutsche Originale als Vorbild / 3. Teil - Henschel & Sohn, aus Dampfmodell Nr. 3 / 1996.
Hersteller von Dampfstrassenwalzen in Amerika
Im Laufe der Zeit nahmen in den Vereinigten Staaten etwa 30 Firmen den Bau von Dampfstrassenwalzen auf. Die wichtigsten davon waren:
a) Auf Dampfwalzen und Baumaschinen spezialisierte Hersteller
ACME Road Machinery Company, Frankfort / N.Y.
The Atlas Iron Works, San Francisco / California
F.C. Austin Manufacturing Company, Harvey / Illinois
The Bucyrus Road Machinery Company, Bucyrus / Ohio
* Buffalo Steam Roller Company, Buffalo / N.Y.
* Buffalo Springfield Roller Company, Springfield / Ohio
The Enterprise Manufacturing Company, Columbiana / Ohio
The Erie Machine Shop, Erie / Pennsylvania
The Galion Iron Works Company, Galion / Ohio
Hetherington & Berner, Indianapolis / Indiana
The Iroquis Iron Works, Buffalo / N.Y.
* The Kelly-Springfield Road Roller Company, Springfield / Ohio
The Pioneer Iron Works, Brooklyn / N.Y. (Anders Lindelof, Brooklyn)
* The Monarch Road Roller Company, Groton / N.Y. The Ross Road Machine Company, Cincinnati / Ohio
b) Hersteller landwirtschaftlicher Lokomobile, welche daneben auch Dampfwalzen anboten:
The Avery Company, Peoria / Illinois
The A.D. Baker Company, Swanton / Ohio
Birdsall Engine Company, Auburn / N.Y.
* The Buffalo Pitts Company, Buffalo / N.Y.
J.I. Case Threshing Machine Company, Racine / Wisconsin
The Geiser Manufacturing Company, Waynesboro / Pennsylvania
* The Groton Manufacturing Company Groton / N.Y.
The Harrisburg Car Manufacturing Company, Ha / Pennsylvania
The Heilman Machine Works, Evansville / Indiana
The Huber Manufacturing Company, Marion / Ohio
* O.S. Kelly Company, Springfield / Ohio
The Marion Manufacturing Company, Marion / Ohio
The Port Huron Engine & Thresher Company, Port Huron / Michigan
The Robert Bell Engine & Thresher Company, Seaforth / Ontario
The Russell Company, Massillion / Ohio
The Waterous Company, Brantford / Ontario (Canada)
* Die Hersteller landwirtschaftlicher Lokomobile Buffalo Pitts, O.S. Kelly und Groton Manufacturing Company gründeten zum Bau und Vertrieb ihrer Dampfwalzen jeweils eigenständigen Tochterunternehmen als Buffalo Steam Roller Company, Kelly-Springfield Road Roller Company und Monarch Road Roller Company, wovon die beiden zuerst genannten 1916 zur Buffalo- Springfield Roller Company fusionierten.